Donnerstag, 27. Oktober 2016

[Rezension] Aschenkindel - Das wahre Märchen



Aschenkindel - Das wahre Märchen


Autor: Halo Summer
Taschenbuch: 9,90 €

ebook: 1,49 €
Seitenzahl: 276
VerlagCreateSpace Independent Publishing Platform
Mehr Infos: hier
   


 
Inhalt

„Du bist schon ein komisches Mädchen“, sagt meine gute Fee. „Jedes andere Mädchen in deiner Situation wäre überglücklich, auf so einen Ball gehen zu dürfen. Noch dazu auf einen, bei dem es sich in einen Prinzen verlieben und damit seinem Elend entkommen könnte!“ Tja, wo sie recht hat, hat sie hat recht. Ich bin ein komisches Mädchen. Und ich habe fest vor, eins zu bleiben!   Quelle

   





   


Wie hat's mir gefallen

Ich liebe Märchenadaptionen, aber noch mehr liebe ich die Grundidee um das warme Waisenmädchen, das schuftet und katzbuckelt und schlussendlich den Prinzen für sich gewinnen kann. Die überschwänglichen Rezensionen auf Amazon und das mädchenhafte Cover zogen mich so sehr an, dass ich "Aschenkindel" einfach haben musste. Nun muss ich allerdings gestehen: es nicht alles Gold, was glänzt. Der Einstieg in das Jugendbuch fiel mir nicht leicht, denn der Schreibstil war holprig, flapsig und zu jugendlich. Zu jugendlich in einem Jugendbuch, das geht? Leider ja. Ich kam mir stets vor wie in einer Disneyverfilmung und dabei meine ich nicht die guten alten Zeichentrickfilme, sondern eher die neuen übertriebenen Hollywoodstreifen mit Selena Gomez und Co. Alles wirkt so gewollt lustig, so gewollt nah am Leser, dass ich kaum Lust hatte weiter zu lesen. Aber aufgrund der vielen positiven Meinungen blieb ich am Ball.
    

Das Aschenkindel ist hier ganz anders, als man es kennt. Sie ist vorlaut, lebt eher in den Tag hinein und hat viel Zeit für sich und ist nicht die demütige Dienerin ihrer Stiefmutter und - schwestern. Ich mag eigentlich die liebenswerte Art des klassischen Aschenputtels und musste mich an den vorlauten Charakter des modernen Aschenkindels erst gewöhnen. Anfangs konnte ich nur wenig Mitleid gegenüber ihrer Situation aufbringen, denn so wie sich benimmt, kann man sich einfach nicht geben. Ich war teilweise sehr erschrocken. Auch fehlte mir die bissige Art ihrer Stieffamilie, die hier doch liebenswerter dargestellt wird, als man es von Grimm kennt. Gerade dieser Familienzwist macht meiner Meinung nach einiges der Geschichte aus und ich wartete immer, dass es noch einen Hinterhalt der Mutter gibt und somit "alten" Schwung in die Adaption gebracht wird, doch leider wurde ich hier enttäuscht. 
    
Ein wenig enttäuschend war auch die Welt, in der das Aschenkindel lebt. Die Autorin hat einerseits versucht das Märchen aufleben zu lassen, andererseits eine eigene fantasylastige Welt zu entwerfen. Bei dem Versuch beides miteinander zu kombinieren, blieb einiges auf der Strecke. Ich hätte mir gewünscht, dass eine Welt straight durchgesetzt wird und nicht beide halbherzig angerissen werden. Obwohl hier Feen, Vampire und Flugdrachen auftauchen, wird die Welt nur bruchstückhaft erklärt und es fehlt in jeder Szene an Tiefe. Gegen Ende verliert sich die Autorin in politischen Kriegen, aber auch hier fehlt dem Leser die Vorgeschichte und die Nähe zu den König- und Kaiserreichen. Der Grundansatz war nicht schlecht, leider wird sich hier so kurz aufgehalten, dass man gar keine Zeit hat sich umzusehen und zurecht zu finden - geschweige denn sich mit dem Land und den Gepflogenheiten zu identifizieren. Hier wird die Kürze des Romans leider zum Verhängnis, dabei steckte im Grundgedanken viel Potential. Auch waren mir die Parallelen zum Märchen zu disneylastig (Kürbiskutsche) und zu wenig am Originalmärchen angesiedelt, wobei es hier sicher Geschmackssache ist, ob man es lieber hollywoodhaft oder klassisch mag.  
    
Schlussendlich noch ein paar Worte zur Liebesgeschichte: Zuerst verlief alles ganz prickelnd und ließ die Mädchenherzen höher schlagen. Dann kam alles Schlag auf Schlag und DIE große Liebe wurde gefunden, obwohl der Herzensmann kaum auftauchte. Gegen Ende fand ich endlich einen emotionalen Zugang zur Geschichte, doch da endete die 276 Seiten kurze Geschichte auch schon wieder. Schade. Ein bisschen mehr hier und da hätte dem Märchen gut getan, denn so hat man als Leser das Gefühl, der Autor rennt durch die Handlung und will endlich zum Schluss kommen. 
    
Alles in allem war es eine nette unterhaltende Geschichte für zwischendurch, doch leider muss ich die preiswerte eBook-Variante empfehlen, da für mich Preis-Leistung bei den wenigen Seiten und der viel zu kurzen Geschichte nicht stimmig ist. Ich hätte gerne mehr über Aschenkindels Kindheit erfahren, mehr über die magischen Wesen, mehr über die politischen Hintergründe und mehr über die Charaktere. Alles kratzt nur an der Oberfläche ohne nur den Hauch an Tiefe zu erhaschen. Wer allerdings eine flüchtige kurzweilige Geschichte für zwischendurch sucht, ist hier richtig aufgehoben.
    

Cover/Buchgestaltung
Das Printbuch hat ein wunderschönes Cover, leider ist das Buch nach einmaligem vorsichtigen lesen derart zerfleddert, dass ich nur zum eBookkauf raten kann!
   
Für Fans von
* "Royal" von Valentina Fast
* "Die vierte Braut" von Julianna Grohe
   
Fazit
Obwohl mich die Grundidee der fantasylastigen Märchenadaption überzeugen konnte, waren mir der zu umgangssprachliche Schreibstil, der fehlende emotionale Zugang und die oberflächliche Aufarbeitung der politischen Situation ein Dorn im Auge. 150 Seiten mehr und das Buch wäre eine runde Sache!
Wer flüchtige Zerstreung sucht, ist mit dem eBook gut bedient.
   
Bewertung 3/5

1 Kommentar:

  1. Huhu!

    ja, der Klappentext macht neugierig, aber so wie du es beschreibst, würde mir auch die Lust am Lesen vergehen. Ein zu übertriebener Schreibstil, der einfach nur "gewollt" wirkt, ist ätzend. Warum versuchen die Autoren Lesern damit etwas vorzumachen? Warum schreiben sie nicht einfach ganz normal? Manchmal kommt das besser an.

    Liebste Grüße
    Steffi

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