Freitag, 19. August 2016

[Autoren Interview] Nicole Obermeier

Nicole Obermeier wurde 1988 in Leipzig geboren. Nach ihrem Studium der Bibliotheks- und Informationswissenschaft lebt sie heute gemeinsam mit ihrem Freund in Südthüringen, wo sie als Bibliothekarin arbeitet. Ihre Liebe zu Büchern macht sich nicht nur in ihrem Beruf, sondern auch in ihrer Freizeit bemerkbar. Die Ideen zu ihren Geschichten kommen ihr bei ausgedehnten Waldspaziergängen mit ihrem Hund, beim Autofahren und Musikhören. 
  



 
„Ben & Judy. Riskier dein Herz“ war zwar dein erstes veröffentlichtes Buch, aber nicht deine erste geschrieben Geschichte. Was hast du zuvor geschrieben und wird es in dieser Richtung noch einmal etwas von dir geben? 
 
Nicole Obermeier: Hallo liebe Inka. Ja, das ist richtig. Zwar wollte ich schon seit meiner Kindheit unbedingt später mal ein Buch schreiben, aber richtig ernsthaft mit diesem Traum auseinandergesetzt habe ich mich erst Anfang 2015. Ausschlaggebend war ein Traum, in dem ein Mädchen vorkam, das in einem von der Außenwelt abgeschnittenen, geteilten Land lebt und sich zwischen zwei Jungen entscheiden muss. Innerhalb weniger Tage habe ich eine Geschichte drum herum gesponnen und diese in den folgenden sechs Monate niedergeschrieben. Mein Manuskript trägt den Arbeitstitel „New Arc“ (so heißt das Land, in dem meine Protagonistin lebt). Im Mittelpunkt steht eine emotionale Liebesgeschichte, die in die gesellschaftlichen und politischen Geschehnisse eingebettet ist. Ich hatte die Story als Dystopie angelegt, aber leider musste ich schnell feststellen, dass dieses Genre nicht mehr gefragt ist. Im Moment spiele ich noch mit dem Gedanken, das Genre nachträglich zu ändern und die Geschichte in Richtung Romantasy gehen zu lassen. Vorher sind aber noch einige andere Projekte geplant. Trotzdem ist und bleibt „New Arc“ mein Herzensprojekt, das ich unbedingt veröffentlichen möchte, am liebsten gedruckt. Ich glaube an das Potential dieser Geschichte und bin mir sicher, dass sie ihre Leserinnen finden würde. In Zukunft werde ich mich aber dennoch auf realistische Liebesgeschichten konzentrieren.

 
Gab es eine Szene im Buch, die dir besonders wichtig war oder ganz besonders nah ging? Oder musstest du sogar Szenen kürzen? 
  

Nicole Obermeier: Mir sind die emotionalen und dramatischen Szenen am wichtigsten. Was passiert in einem Menschen, wenn er enttäuscht, belogen und hintergangen wird? Wenn seine Träume und Hoffnungen auf einen Schlag zerplatzen? Meiner weiblichen Protagonistin Judy habe ich, vor allem am Ende des Buches, ziemlich viel zugemutet. Mir war es wichtig, die Momente einzufangen, in denen sie verletzt wird und diese authentisch rüberzubringen. Sehr nah gingen mir auch die Szenen mit Judys kleinem Bruder Leon. Er ist zwar erst fünf Jahre alt, aber für sein Alter sehr ernst und extrem intelligent. Als er seine große Schwester tröstet oder für Ben da ist, kamen mir die Tränen. Kürzen musste ich nichts, im Gegenteil: ich habe kurz vor dem Finale sogar noch Kapitel dazu geschrieben. Das war ein sehr wertvoller Tipp meiner Lektorin, sonst wäre das Ende zu plötzlich gekommen und der Leser hätte den Weg dahin verpasst. Im Nachhinein bin ich sehr froh darüber, denn auch diese Schlussszenen sind sehr emotional geworden.
 

    
Die Story um Ben und Judy ist erzählt – aber werden die Leser in irgendeiner Form mehr von den Charakteren hören? 
 
Nicole Obermeier: Tatsächlich plane ich gerade eine Art Fortsetzung, die aber unabhängig von diesem Buch lesbar sein wird. Ein Charakter aus „Ben & Judy“ wird seine eigene Liebesgeschichte bekommen – und hoffentlich auch das verdiente Happy End. Es wird jemand sein, den ich gerne nochmal von einer ganz anderen Seite vorstellen will. Die neue Geschichte ist bisher auf knapp 200 Seiten angewachsen und die Person, um die es geht, ist mir sehr wichtig geworden. Ich hoffe, dass der Verlag genauso begeistert sein wird wie ich. Aber um wen es sich handelt, verrate ich noch nicht. Lasst euch überraschen :)
 

Du bist Bibliothekarin, Buchbloggerin und Hundebesitzer – wann findest du Zeit zum Schreiben?
 

Nicole Obermeier: Unter der Woche versuche ich mir vor dem Arbeitsbeginn eine Stunde freizuschaufeln, in der ich schreiben oder wenigstens überarbeiten kann. Ich habe für mich selbst festgestellt, dass ich am besten vorankomme, wenn ich möglichst täglich an meiner Geschichte arbeite. Am Wochenende schreibe ich dann mehrere Stunden am Stück. Zum Glück unterstützt mich mein Freund sehr, indem er zum Beispiel morgens die Gassirunden mit unserer Hündin übernimmt, wenn er Spät- oder Nachtschicht hat. Mir ist aufgefallen, dass ich nicht mehr so viel zum Lesen komme, wie früher. Ich versuche trotzdem, ein Buch pro Woche zu „schaffen“, damit auf meinem Blog keine gähnende Leere herrscht.
 
Wann war für dich klar, dass du ein eigenes Buchprojekt starten möchtest?

 
Nicole Obermeier: In den letzten Jahren habe ich immer mal wieder kürzere Texte geschrieben, z. B. für ein Gewinnspiel, einen Wettbewerb oder um ein Erlebnis zu verarbeiten, das mich zu der Zeit beschäftigt hat. Im Studium habe ich im Rahmen der Schlüsselqualifikationen das Modul Drehbuchentwicklung belegt und musste mir zum ersten Mal eine komplette Geschichte ausdenken und eine Szene daraus ausarbeiten. Da habe ich gemerkt, dass es mir Spaß macht zu schreiben und mir die gefühlvollen Dialoge liegen. Trotzdem hat es bis zu dem Traum im Januar 2015 gedauert, bis ich mich wirklich dazu durchgerungen habe, einfach anzufangen. Ich glaube, wenn man eine Idee hat, die einen nicht mehr loslässt, dann muss man es einfach wagen. Das ist zwar keine Garantie für Erfolg, aber wenn man nicht anfängt, wird man nie herausfinden, ob es etwas hätte werden können. Mich haben während meines ersten Projektes so viele Zweifel gequält: Ist die Geschichte gut? Sind die Charaktere ordentlich ausgearbeitet? Kann ich überhaupt schreiben? Will das jemand lesen? Zum Glück hatte ich eine ganz liebe Testleserin, die mich in meinem Vorhaben bestärkt hat und am Ende sogar richtig begeistert war. Solche kleinen Erfolgserlebnisse sind wichtig, um eine Geschichte überhaupt zu Ende zu bringen. Ohne diese Bestärkung hätte ich heute definitiv kein Buch veröffentlicht.
 

Natürlich stelle ich dir auch die klassische Frage: Woher nimmst du deine Ideen? Ist tatsächlich alles Fiktion?

 
Nicole Obermeier: Die besten Ideen kommen mir beim Musikhören, z. B. während ich Auto fahre nicht viel machen muss, außer auf die Straße zu achten und auf den Text zu lauschen. Es gibt Songs, bei denen in meinem Kopf wie von selbst Bilder, Szenen und Geschichten entstehen. Und wenn diese Geschichten mich dann nicht mehr loslassen wollen, dann vertiefe ich sie. Das klappt gut beim Spazierengehen mit meinem Hund. Die Grundidee zu meiner neuen Geschichte kam mir beim Wäscheaufhängen. Inspiration kann man überall finden und meistens immer dann, wenn man es nicht darauf anlegt. So kam es, dass ich nur drei Tage nach der finalen Abgabe von „Ben & Judy“ bereits mit dem neuen Projekt begonnen habe - der Wäsche sei Dank :) Die Figuren und Motive in meinen Geschichten entspringen alle meiner Fiktion. Allerdings fließen manchmal eigene Erlebnisse, kleine Marotten oder Dinge ein, die mir wichtig sind. Ich könnte niemals über etwas schreiben, wozu ich überhaupt keinen Bezug habe, Science-Fiction oder High Fantasy zum Beispiel. Damit ich mich in eine Person hineinversetzen kann, muss ich zumindest in der Lage sein, ihre Gefühle nachzuvollziehen. Und dabei kann es vorkommen, dass ich eigene Erlebnisse einfließen lasse, auch wenn ich das vorher nicht geplant hatte.

 
Wenn dein Buch verfilmt werden würde, wer würde Ben, Judy, Toni und den Cafébetreiber Marco spielen? 

 
Nicole Obermeier: Puh, das ist eine schwierige Frage. Ich spinne jetzt einfach mal herum: Da ich Alex Roe in der Rolle des Evan Walker in „Die 5. Welle“ toll finde, würde ich ihn mir als Ben wünschen. Jennifer Lawrence wäre eine tolle Judy. Kristen Stewart könnte die rotzige Toni verkörpern und Matt Damon wäre der perfekte Marco.
 

Was liest du ganz privat am liebsten? Schreibst du genau das, was dir fehlt oder liest du privat auch mal etwas ganz Anderes? 

 
Nicole Obermeier: Ich lese viele Jugendbücher. Mir ist es wichtig, dass es immer eine Liebesgeschichte gibt, die mich berührt. Es darf gerne dramatisch sein und muss auch kein Happy End geben. Meistens sind es nämlich genau diese Bücher, die ich am liebsten mag. Für meine eigenen Figuren wünsche ich mir aber trotzdem ein schönes Ende. Ich schreibe genau das, was ich auch gerne lesen würde. Natürlich lasse ich mich auch von anderen Büchern inspirieren, aber das geschieht eher unterbewusst. Ich möchte meine eigenen Geschichten erzählen und wünsche mir, dass sie etwas beim Leser auslösen. Deshalb spare ich auch nicht an dramatischen Wendungen, weil es genau das ist, was mich als Leserin selbst fesselt.

 
Ganz zum Schluss: Was liest du selbst? Welches Buch kannst du mir wärmstens empfehlen und wieso gerade dieses? 

 
Nicole Obermeier: Ich liebe die Bücher von Colleen Hoover, Kira Gembri und John Green. Das sind Autoren, von denen ich alles lesen und mir fast immer sicher sein kann, das die Geschichten mich umhauen. Vor allem Kira Gembri und Colleen Hoover sind große Inspirationsquellen und Vorbilder für mich. Ich empfehle dir und deinen Leserinnen „Liebe ist was für Idioten. Wie mich“ von Sabine Schoder, „Ein Teil von uns“ von Kira Gembri, „Die 5. Welle“ von Rick Yancey. Von Colleen Hoover gibt es gleich drei heiße Tipps von mir: „Love & Confess“, „Too late“ (eine freie Wattpad-Story auf Englisch) und „It ends with us“. All diese Bücher haben genau die richtige Mischung an Spannung, Drama und Emotion gemeinsam. Außerdem liebe ich alles von Sebastian Fitzek. Bücher, auch Liebesgeschichten, müssen immer auch spannend und fesselnd sein. Da kann es nicht schaden, den ein oder anderen Psychothriller zu lesen. Mein All-Time-Lieblingsbuch ist und bleibt aber „Die Frau des Zeitreisenden“ von Audrey Niffenegger. Das Buch hat mich damals gesucht, gefunden und bis heute nicht mehr losgelassen. Es ist außerdem das einzige Buch, das ich mehr als einmal gelesen habe. Ich habe geheult wie ein Schlosshund und mich nach dem Ende gefühlt, als hätte mir jemand das Herz aus der Brust gerissen. So muss ein gutes Buch sein!

 

Vielen Dank für das Gespräch!

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