Sonntag, 9. März 2014

[Film vs. Buch] Warm Bodies


Sicher kennt der ein oder andere von euch den Film "Warm Bodies". Dazu gibt es aber auch ein Buch, wusstet ihr das? Oder ging es euch gerade andersherum so?

Wie ich das Buch von Isaac Marion fand, habe ich ausführlich in meiner Buchrezension berichtet. Hier kurz das Fazit:

Wer den Film noch nicht kennt, sollte unbedingt zum Buch greifen, denn es überzeugt durch einen grandiosen Schreibstil, wunderbare Charaktere, ironisch-witzige Szenen und eine schöne Liebesgeschichte. Ich bin selbst ein wenig verliebt in meinen fahlen Freund.  4/5
Mehr dazu gibt es hier.



Die sympathischen Bloggerinnen von Motion Picture Maniac haben bereits eine plastische, detaillierte und wunderbare Filmreview geschrieben. Hier ihr Fazit:

Alles in allem ist Warm Bodies jedoch eine originelle und absolut sehenswerte Zombieromanze, die mit Klischees aufräumt und in Erinnerung bleibt. Denn wo noch immer genug Lebensadern schlagen um sich (lebens-)hungrig durch die Straßen zu schleifen, können eventuell auch totgeglaubte Herzen wieder pochen. 7/10
Mehr dazu gibt es hier.

Nun kommen wir mal zur Vergleichsreview. Vorab möchte ich sagen, dass es hierbei NICHT um meine Meinung über den Film oder über das Buch geht, sondern wie ich die Verfilmung um Vergleich zum Buch finde. Manchmal gefällt einem der Film, jedoch ist es kein Vergleich zum Buch.


Vergleich: Verfilmung vs. Buch

 

Zuersteinmal möchte ich vorab sagen, dass "Warm Bodies" (Film) sehr nahe am Buch "Mein fahler Freund" war. So viele Übereinstimmungen habe ich selten erlebt und war hier auch positiv überrascht.

R ist ein Zombie, der ein einer postapokalyptischen Welt lebt, in der scheinbare leblose Untote auf Menschenjagd gehen. Man könnte meinen, Julie ist ein gefundenen Fressen für R, doch er verliebt sich in das junge Mädchen und eine seltsame absolut nicht kitschige Liebesstory beginnt.

Der Film und das Buch beginnen beide mit den Gedanken von R. Schnell wird dem Leser und dem Zuschauer klar, dass R gar nicht so leblos und zombiehaft ist, wie er von Außen scheinen mag. Ein intelligententer und sarkastischer Kopf ist gefangen in einem langsam absterbenden Körper. Gerade die vor Sarkasmus triefenden gedanklichen Kommentare von R machen den Charme des Buches auch. Diese Szenen wurden wirklich wunderbar im Film adaptiert und der Zuschauer merkt schnell, dass hinter R viel mehr steckt, als man meinen könnte.
Sehr gut gelungen finde ich auch die Stimmung des Filmes, die ich mir beim Lesen nicht besser hätte ausmalen können. Trotz das die neue Welt düster ist, entwickelt man als Leser und als Zuschauer Sympathie gegenüber den stöhnenden und wortkargen Zombies.

Sicherlich gibt es einige inhaltliche Unterschiede und Dinge, die man als Zuschauer nicht recht mitbekommt. So ist (Vorsicht, Spoiler!!) R im Buch verheiratet und hat sozusagen sogar zwei Kinder. So recht gefehlt haben mir diese Aspekte im Film nicht, da sie nicht maßgeblich die Handlung beeinflussen. Der kritische Leser fühlt sich im Film vielleicht um wichtige Details betrogen, mir persönlich hat es aber nicht gefehlt.
Auch am Ende des Filmes gibt es gerade was das Überleben von Julies Vater angeht einige Unterschiede. Im Film scheint Julies Vater bekehrt und er ergibt sich dem Ende. Es fällt ihm zwar schwer mit der Kehrtwende seinen Frieden zu machen, doch schlussendlich versteht er Julies Botschaft. Hier hat der Regisseur wohl den Vater von Julie etwas aufwerten wollen, denn tatsächlich wird er von Zombies gefressen und kann nicht gerettet werden. Zuletzt scheint er im Buch gar nicht mehr zu kämpfen. Ich persönlich denke, dass er einfach nicht mehr in einer Welt leben kann, in der es Zombies gibt, seine Frau gestorben ist und in der seine verhassten Zombies nun wieder Gefühle haben können. Er geht mit seinem Hass, seinem Wut und seiner Trauer unter noch bevor die schöne neue Welt aufersteht.
Was dem Zuschauer, der das Buch nicht gelesen hat, sicher nicht recht bewusst wird, ist die Bedeutung von Perry, Julies Freund (gespielt von Dave Franco). Im Film scheint er der perfekte Freund, der durch Rückblicke dargestellt wird. Immer wenn R im Film ein Stück von seinem Hirn isst, so erinnert er sich an das Leben von Perry. Später träumt R auch im Film sich zu Perry. Tatsächlich war er weder perfekt, noch übel, sondern eine lebensnahe Mischung. Im Buch betrog Perry zwar Julie, schrieb ihr aber eine wunderbare Geschichte, die er bis zuletzt geheim vor ihr hielt.
Was mir etwas fehlte war die Verbindung zwischen R und Perry, die im Buch sehr stark herausgebildet war. Selbst als das Hirn schon lange verspeist war, redete Perry noch mit R. Schlussendlich verschmelzen die beiden scheinbar zu ein und derselben Person und Perry verabschiedet sich Stück für Stück von seinem ehemaligen Leben. Im Film schien es, als sei Perry nur dazu da, dass R Julie näher kennenlernt. Tatsächlich wird Perry im Verlauf der Handlung so viel mehr für R, für den Leser und für Julie -  und so sehr man ihn hassen will, mag man ihn, denn er wird eine Art Mentor für den emotionalen Zombie.

An der Filmbesetzung einer Buchverfilmung scheiden sich immer die Geister, doch niemand könnte R besser verkörpern als Nicholas Hoult. Ist er vielleicht nicht der Adonis, den sich manch eine Leserin vorgestellt hatte, so hat er die Mimik und Gestik des sarkastischen R, wie ich sie mir immer vorgestellt habe. Und auch Teresa Palmer passt wie die Faust aufs Auge, pardon, wie Romeo zu Julia.

Lange Rede, kurzer Sinn: Der Film ist wirklich sehr sehr nah am Buch und nur wenige Szenen sind neu oder anders. Fehlen Details aus dem Buch, scheinen sie fast immer entbehrlich oder wenigstens verzeihlich. Auch wenn man den Film vielleicht nicht so sehr mag, kann man nicht umhinkommen zu sagen, dass sich der Drehbuchautor und Regisseur Jonathan Levine viel Mühe gegeben hat, nicht an der Story, sondern an einer detailgetreuen Umsetzung zu feilen. Ich bin wirklich begeistert und buff wie gut dieses philosophische Zombiebuch umgesetzt wurde, ohne plakativ zu wirken, ohne zu kitschig zu sein und ohne zu dick aufgetragen zu haben. Bitte Hollywood, wir möchten mehr solcher tollen Adaptionen!

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