Freitag, 15. November 2013

[Rezension] Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr

Titel: Ein ganzes halbes Jahr


Autor: Jojo Moyes
Preis: 14,99 € (broschiert)
Seitenzahl: 512
Verlag: Rohwolt
Mehr Infos: Hier







 

Inhalt
Lousia ist 26, wohnt noch bei ihren Eltern, hat einen schrägen Modegeschmack und ist seit kurzem arbeitslos. Die fehlende Arbeit macht der jungen Frau zu schaffen, doch bald bekommt sie ein Angebot den mürrischen Will Traynor zu betreuen, der nach einem tragischen Unfall im Rollstuhl landete. Er hat seinen Lebensmust verloren - doch dann trifft er auf die erfrischende Lou.


Wie hat's mir gefallen
Die Protagonistin Louisa lebt ein eher beschauliches Leben. Bis vor kurzem arbeitete die 26-Jährige noch in einem kleinen Café in einer kleinen Stadt. Sie ist seit so vielen Jahren mit ihrem Freund zusammen, der sich aber gerade mehr für den Sport als für seine Freundin interessiert, dass Lou eigentlich gar nicht mehr weiß, warum sie noch zusammen sind. Als Lou arbeitslos wird, scheint sie in ein tiefes Loch zu fallen, denn ihre Karrieremöglichkeiten scheinen gering. Da sie aber ihre Eltern, bei denen sie noch wohnt, finanziel unterstützen muss, sucht die junge Frau schnell eine neue Anstellung. So gelangt Lou zu dem mürrischen im Rollstuhl sitzenden Will Traynor. Will kann Lou von Anfang an nicht leiden und macht der jungen Frau mit seiner ablehnenden Art das Leben zur Hölle, doch Lou lässt sich nicht unterkriegen und freundet sich Stück für Stück mit dem meckerenden Will an. Doch Will hat nicht nur seine Lebensfreude verloren, er kann so wie er ist, nicht mehr mit sich selbst leben.

Die Geschichte von Lou und Will ist alles andere als gewöhnlich oder alltäglich. Mir wurde vor dem Lesen abgeraten den Klappentext zu lesen und somit stürzte ich mich absolut ahnungslos in das Geschehen. Schon nach wenigen Minuten konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen, denn Lou beschreibt ihre Sicht der Dinge so bezaubernd und realistisch, dass man davon gar nicht mehr genug bekommen kann. Dennoch: hätte ich vorher gewusst worum es geht, hätte ich das Buch nicht angefangen. Ich habe keineswegs etwas gegen das Thema an sich, aber ich war schon kein Freund von "Ziemlich beste Freunde", da dies eine ziemlich vorhersehbare Handlung hatte und nur wenig überraschte. Doch dieses Buch bricht alle Regeln und hat mich von grundauf bewegt, wie es schonlange kein Buch mehr schaffte.

Die Autorin spricht ein absolutes Tabuthema an: Will hat den Wunsch sich von Verein "Dignitas - Menschenwürdig leben – Menschenwürdig sterben" helfen zu lassen, denn er will so nicht mehr mit sich leben. Ich denke die meisten Menschen sind bei einem jungen Menschen, der noch absolut bei klarem Verstand ist und nicht ans Bett gefesselt ist ein gegener von Euthanasie. Aber solch ein Schwarz/Weiß-Denken gibt es bei "Ein ganzes halbes Jahr" nicht. Die Autorin beleuchtet nicht nur die Seite der Angehörigen und der Nicht-Behinderten, die nicht verstehen können, wieso ein junger Mann freiwillig sein Leben beenden will, sondern sie lässt Will offen und ehrlich sprechen, wieso er auf diese Art und Weise nicht mehr mit sich selbst leben kann. Ich selbst hatte vor dem Lesen eine klare Meinung darüber und konnte Will anfangs nicht verstehen. Doch nach und nach brachte mich die Autorin zum nachdenken und brachte meine so standfeste Meinung zum wanken. Gerade das macht das Buch so besonders, dass man auch neben der Handlung noch weiter über das Buch und das Grundthema nachdenkt und vielleicht sein eigenes Leben mehr genießt. Die Botschaft ist wirklich wunderschön und ich kann jedem dieses Buch mit absoluter Begeisterung empfehlen.

Doch neben dem nachdenklichen Will gibt es noch Lou. Die beiden könnten nicht unterschiedlicher sein. Er will sich am liebsten jeden Moment seines Lebens bewegen, etwas erleben, fremde Orte kennenlernen und das Leben in vollen Zügen genießen - leider kann er dies nicht mehr. Lou hingegen ist völlig gesund und ist zufrieden mit einer monotonen Arbeit und dem allabendlichen Fernsehprogramm. Dennoch verstehen sich die Beiden nach und nach immer mehr. Lou versucht Will seine Lebensfreude wiederzugeben und ihn dadurch umzustimmen. Was Lou erst nicht bemerkt: auch sie verändert sich durch Will enorm und gewinnt an Abenteuerhunger und Lebensfreude dazu. Die Geschichter dieser Beiden ist einfach unglaulich schön!

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut. Die Geschichte wird, bis auf kleine Ausnahmen gegen Ende des Buches, aus Sicht von Louisa Clark geschrieben. Sie zieht sich anfangs sehr zurück und nimmt Abstand von Will. Gerade ihre Gednakengänge sind sehr spannend und teilweise auch sehr lustig. Das Buch hat mich eine ganze Nacht Schlaf gekostet, denn ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen.

Letztendlich kann ich nur sagen, dass mich die Liebesgeschichte der beiden sehr berührt hat. Aber das eigentlich Schöne in diesem Buch ist das Grundthema: das Leben genießen. Es bietet viel Stoff zum nachdenken, sodass man tatsächlich vor dem Buch sitzt und in sich geht: "Bin ich wirklich glücklich? Lebe ich oder funktioniere ich einfach nur noch?".
Lest dieses Buch und lasst euch verzaubern von einer einmaligen Geschichte!

Cover

Die Covergestaltung ist einerseits sehr romantisch und mädchenhaft, andererseits aber auch schlicht und neugiererweckend. Mir gefällt es sehr gut, auch wenn es ein bisschen kitschig wirkt, denn allein das Cover hat mich zum ersten Mal auf das Buch aufmerksam gemacht.

Wieso gekauft

So oft hatte ich dieses Buch schon in der Hand, so viel Gutes hatte ich darüber gehört. Letztendlich empfohl mir meine Bibliothekarin des Vertrauens diesen Roman und da konnte ich nicht nein sagen, denn sie hat ein absolut gutes Händchen was Buchauswahl betrifft. Danke Franzi!

Für Fans von:
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Büchern von Cecela Ahern


Gut zu wissen

"Ein ganzes halbes Jahr" ist kein Mehrteiler. Auch wenn man das Buch vielleicht schnell liest, sollte man sich einige Zeit nehmen, um über die Probleme des Protagonisten nachzudenken. Ich musste während des Lesens einige Zeit für mich nutzen, um meine eigene Meinung festzustellen und schließlich zu überdenken. Das Buch behandelt ein schwieriges Thema, welches man nicht leichtfertig und schnell abhandeln kann.

Fazit

Dieses Buch ist nicht nur für Fans von Liebesgeschichten, denn die Handlung bietet so viel mehr. Jojo Moyes erzählt sehr emotional die Geschichte zweier Menschen, die gegenseitig ihr Leben verändern. Auf wunderbare Art und Weise regt die Autorin den Leser zum Nachdenken an und gibt eine wundersame Botschaft weiter. "Ein ganzes halbes Jahr" hat mich unendlich tief berührt.

Bewertung: 5/5
 

Kommentare:

  1. Hi,
    schöne und detaillierte Rezension! Ich habe das Buch letztens gelesen (und rezensiert - aber nicht so ausführlich wie du) und war auch genau so berührt :) Hammer gutes Buch, das tiefe Eindrücke hinterlässt!
    Liebe Grüße :)

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